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Zu Zoppoten gehörte die Ruhmühle, die früher dem Rittergut lehnpflichtig war. Der Erbzins betrug fünf Groschen und sechs Pfennige. Der Müller hatte außerdem dem Besitzer des Rittergutes alles Getreide umsonst zu mahlen.Sie war Zwangsmühle für Zoppoten, Schönbrunn und Unterlemnitz.Von den Besitzern der Mühle ist wenig zu erfahren.

1612 wird der Müller Hans Lehe genannt, 1748 Johann Erhard Kuhn. Unter diesem wurde 1743 das Wehr erhöht. Da hierdurch die Fischerei stark beeinträchtigt worden war, übergab die Herrschaft das ihr gehörige sogenannte „Lobensteiner Küchenwasser“ ( weil die Fische dieses Stückes des Saalelaufes in die Küche des Schlosses in Lobenstein kamen) dem Müller gegen eine jährliche Abgabe von 15 Gulden auf unwiderrufliche Zeiten in Erbpacht. Das Lobensteiner Küchenwasser ging vom Stubbächlein bis zum Ausgang der Lache am Ruhmühlenwehr, dann folgte bis zur Mitte im Saalelauf liegenden Insel das Zoppotener Rittergutswasser, an das sich bis zum Zoppotenbach das Saalburger Kirchenwasser anschloss.
Das Ebersdorfer Küchenwasser ging vom Bierabach bis zur Luxleite.
Zur Lage der Ruhmühle an der Ruhebene beschreiben die Verfasser recht anschaulich die einsamste Siedlung im ganzen Saaletal: Während das linke Ufer der Saale meist steil ist, tritt es an der Ruhmühle soweit zurück, dass da unten ein breiter Saum ebenen Landes entstanden ist. Der mitten im Waldgebirge also, eine Siedlung ermöglichte, die an Feldern, Wiesen und Wald etwa 20 Hektar umfasst. Die Gebäude bilden eine saubere fränkische Hofanlage mit weißen Mauern und blauen Schieferdächern. Am Eingang zur Mühle halten zwei große Bäume mit weiten Kronen Wache. Das linke Saaleufer ist, soweit es die Besitzung umspült mit Erlern, Weiden und Birken umsäumt. Das rechte Ufer zudem der Ruhmüller übersetzt, steigt ziemlich steil an. In halber Höhe des Abhanges liegt unmittelbar über der Ruhmühle das Waldwärterhaus Silberknie auf einer Waldblöse des Tiergartens von alten Laubbäumen geschützt. Keiner weiß mehr, wer den Mut aber auch den gesunden Blick gehabt hat, die Ruhmühle hier zu erbauen und zu siedeln, aber Sinn für Freiheit war ihm sicher eigen.
alte Ruhmühle an der Saale       Blick auf die Ruhmühle an der Saale


Der Erbpacht des Lobensteiner Küchenwassers wurde 1903 abgelöst. Im Jahre 1851 ging die Ruhmühle von Johann Christoph Heinrich Ritter auf seinen Schwiegersohn Zorn über.
(Die Saaltalsperre von Robert Hänsel und Bruno Behr, Schleiz 1926)
Carl Rosenkranz der Großvater des jetzigen Besitzers Frank Rosenkranz, fing 1911 als Geselle in der Ruhmühle an der Saale, unter dem damaligen Mühlenbesitzer Richard Zorn an. Während des ersten Weltkrieges konnte die Wasserkraft auf einen Generator übertragen werden und somit elektrischen Strom erzeugen. Die Eheleute Carl und Ida Rosenkranz haben das Mühlenanwesen 1923 gekauft. Interessant für die heutigen Generationen dürfte sich der Kaufpreis an die Verkäufer Zorn lesen:
Im Kaufvertrag, datiert auf den 24. März 1923 ist neben Kapitalleistungen im § 4 unter anderem festgelegt:
Dieselben haben dem Verkäufer und seiner Ehefrau jährlich und zwar je auf Lebenszeit folgende Naturalien zu gewähren:

a) drei Zentner Weizenmehl
b) fünf Zentner Roggenmehl
c) zwei Zentner Kleie
d) einen Zentner Hafer
e) zehn Zentner Kartoffeln
f) ein Schwein von anderthalb Zentner Lebendgewicht
g) zwei Hühner
h) eine Gans
i) einen Truthahn
j) zwei Enten
k) Zweihundert Stück Eier
l) Zweiundfünfzig Pfund Butter
m) fünf Meter Brennholz
n) einen Zentner Stroh

1925 wurde ihm von den Landesbehörden mitgeteilt, dass er jegliche Bauarbeiten an der Mühle zu unterlassen habe, da diese durch den Bau der Saaletalsperre geflutet würde. In den folgenden Jahren wurde der Wert der Mühle geschätzt, wurden Verhandlungen über Entschädigungszahlungen und Abbruch geführt. Ab 1931 musste sie zum Aufstau der Bleilochtalsperre geräumt werden. Bis zu diesem Zeitpunkt lief der Mühlenbetrieb ungehindert weiter. Die Entschädigung durch die Obere Saale AG war so gering, dass Carl Rosenkranz für die Mühle und Landwirtschaft der Ruhmühle an der Saale gerade das Schallersche Mühlengrundstück in Ebersdorf mit Brandruine der dortigen Wassermühle, dem Wohnhaus und Nebengelass kaufen konnte.
Die Schaller´sche Wassermühle in Ebersdorf war 1930 bis auf die Grundmauern abgebrannt. Am 18. Juli 1931 begann Carl Rosenkranz mit dem Neubau des Mühlengebäudes. Teilweise wurde es auf den Grundmauern der alten Schaller´schen Mühle errichtet. Original vorhanden ist noch ein Tonnengewölbe im Keller. Bauende war am 28. Oktober 1931. Am 09. November 1931 nahm die Mühle ihren Betrieb auf. Den Namen seiner Ruhmühle an der Saale übertrug er auf diese neue Mühle.
Gerhard Rosenkranz wurde 1927 in der alten Ruhmühle an der Saale als zweites Kind der Eheleute Carl und Ida Rosenkranz geboren. Er übernahm 1971 die väterliche Mühle. Vorgegebene Kontingente für die Vermahlung wurden vom Leitbetrieb „Mühlenwerke Camburg“ erteilt. Besonders ab 1972, als die bis dahin produzierenden halbstaatlichen Betriebe aufgelöst werden sollten, wurden die Kontingentmengen ständig gekürzt.
Der Unterhalt für die Familie wurde daher größtenteils durch Erwerbstätigkeit aus der Landwirtschaft erarbeitet. Der Absatz und Vertrieb der Fertigprodukte erfolgte restlos durch die Einkaufs- und Liefergenossenschaft des Bäcker- und Müllerhandwerks Schleiz. Ab 01. Januar 1991 nach Auflösung der ELG Schleiz wurde der Getreideeinkauf und Vertrieb der Mühlenprodukte in eigener Regie übernommen.
Zunächst diente ein W 50 mit aufgebautem Tank zur Auslieferung des losen Mehles. Ein ausgedienter B 1000 des Roten Kreuzes diente der Belieferung der Kleinkunden, wie Krankenhäuser, Schulküchen und Gaststätten. Die Sackware für die Bäckerein wurde mit einem Leihfahrzeug ausgefahren.

Rosenkranz

1993 übergab Gerhard Rosenkranz die Mühle seinem Sohn Frank, arbeitete aber bis zu seinem Tod im Sommer 1994 mit.
Die monatliche Pacht betrug 900,oo DM. Ein moderner LKW mit Wechselsystem löste des alten W 50 ab.
Heute gehören zum Kundenstamm der Ruhmühle etwa 20 klein- und mittelständische Bäckerein, aber auch Kliniken und Gaststätten. Ergänzt wurde das Sortiment durch den Futtermittel- und Naturkosthandel. Um die Wirtschaftlichkeit der Mühle zu erhalten wurde ein kleiner Mühlenladen auf dem Walzenboden errichtet.
In den folgenden Jahren wurden Investitionen von mehr als 250 T€ getätigt.Dazu gehörte die Erweiterung der Getreideannahme, die Erneuerung des Aufzuges, die Umdeckung des Mühlendaches, die Sanierung der Fassade und der Einbau einer Dinkelschälanlage mit Tischausleser.
Um die Mühle wirtschaftlich weiterführen zu können, mussten – wie in anderen Kleinstbetrieben auch – weiter Standbeine gesucht werden. Dies geschah durch den Ausbau der Handelstätigkeit. Im März 2000 wurde im Industriegebiet Schleiz-Oschitz der erste Mühlenmarkt der Ruhmühle eröffnet.
Im Jahre 1996 begannen die Vorbereitungen für den Neubau des zweiten Mühlenmarktes in Bad Lobenstein. Am 30. November 2006 konnte der Mühlenmarkt Lobenstein eröffnet werden. Im März 2009 wurde in Neustadt/ Orla ein weiterer Mühlenmarkt nach dem bewährten Verkaufsmuster eröffnet.
Somit konnte auch der Rückgang des Mehlabsatzes an umliegende Backbetriebe ausgeglichen werden, da zunehmend Mehle und andere Mühlenprodukte in den Mühlenmärkten verkauft werden.
Willkommen sind Schulklassen und interessierte Gäste zum Besuch der Ruhmühle oder zu Mühlenführungen.
Unsere Tochter Josefa arbeitet nach erfolgreichem Abschluss als Betriebswirt in der nunmehr vierten Generation in der Ruhmühle Ebersdorf. Somit ist die Aussicht gegeben, dass die letzte produzierende Mühle im Lobensteiner Oberland erhalten bleibt.
Als wir am Pfingstwochenende im Jahr 2012 das 400-jährige Bestehen der Ruhmühle feiern konnten, waren wir dankbar und stolz, an dieser langen Mühlentradition teilzuhaben zu können.

Festveranstaltung zum 400-jährigem Bestehen der Ruhmühle

Gefeiert wurde im Bürgerhaus der Stadt Saalburg-Ebersdorf, geladen waren Müllerkolegen, Bäckerkunden, Vertragshändler und Interressierte. Dargeboten wurde ein Bildervortrag über das 400-jährige Bestehen der Ruhmühle, Grußworte wurden gesant vom Bürgermeister der Stadt, dem Ehrenpräsidenten des Mitteldeutschen Müllerbundes und Pfarrer des Kirchspiels Ebersdorf umramt wurde die Festveranstaltung vom sigendem Müller Hans Knapp aus Linda.

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